Jour Fixe Einladung

Einladung zum Jour fixe
Die Gruppe Soziale Kämpfe lädt ein zur Debatte. An drei Abenden im November und Januar wollen wir über
Ansätze linksradikaler (Bewegungs-) Politik, ihre theoretischen Leerstellen und praktischen Probleme diskutieren.Die ersten Jour fixe Themen:
Donnerstag, 1. November, 19 Uhr

Neuer Kapitalismus und anti-muslimischer Rassismus

Donnerstag, 15. November, 19 Uhr

„Organizing“ – Perspektive für gewerkschaftliche Organisierung der Unorganisierbaren?

Interventionsmöglichkeiten und neues Organisierungsfeld für Linksradikale?

immer im ‚Monarch‘ | 19 Uhr
Skalitzer Str. 134
U1 + U8 Kottbusser Tor

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Einladung zum Jour fixe

Worüber diskutieren?

Seit Ende der 1990er Jahre hat sich »unser« Feld radikal verändert: einerseits ist mit der weltweiten (Anti-)Globalisierungsbewegung eine neue Stärke der radikalen Linken entstanden; Massenmobilisierungen zu inszenierten Verwaltungsakten der Globalisierung sind erfolgreich. Andererseits bleibt die Organisierung dauerhafter Politik schwierig. Das Verhältnis von Staat, Politik und Leben(-sweisen) hat sich gewandelt: die Repression und Erzeugung gewünschter Lebensformen – die oft Einstieg in Kapitalismuskritik waren – konzentriert sich heute nicht vorrangig auf Familie, Sexualität und ordentliches Benehmen. Die Langeweile des Fordismus ist der Buntheit des Neoliberalismus gewichen. Repression richtet sich auf die Erziehung fügsamer Hartz4-Empfänger, kreativer Selbstunternehmer und fleißiger Popstars – und nach wie vor gegen radikale Alternativen.

Statt Kapitalismus und Staat abstrakt »anzugreifen«, scheint es uns wichtig, in Kräfteverhältnisse zu intervenieren. Was bedeutet es, einen Kampf um Kräfteverhältnisse in vielen Bereichen (Alltag, Öffentlichkeit, Betrieb, Uni) zu führen und an Hand gesellschaftlicher Auseinandersetzungen Kapitalismuskritik zu konkretisieren? Wie greifen wir politisch ein und wie wirken wir organisierend? In den letzten Jahren ist die Offenheit für eine – wenn auch oft diffuse – Kritik am Kapitalismus gewachsen und unter dem Druck zunehmender Unzufriedenheit und sozialer Konflikte zum Thema für Politik und Medien geworden. Darin tun sich neue Möglichkeiten und Probleme für die radikale Linke auf: „Antikapitalismus von rechts“, die autoritäre Bearbeitung sozialer Auseinandersetzungen (z.B. in der Migrationsdiskussion), der Hype um „richtigen Konsum“ und „moralischen Kapitalismus“, in dem Globalisierungskritik als Marktsegment und Warenästhetik aufgerufen wird.

Um eine Kritik am aktuellen Kapitalismus in politische Praxis zu übersetzen, müssen die Grenzen von „Teilbereichen“ linker Politik (Antifa, Antira etc) in Frage gestellt werden. Wir wollen Zusammenhänge und Verbindungsmöglichkeiten diskutieren: Wie hängen Entwicklungen des neoliberalen Kapitalismus mit neuen Formen von Rassismus (z.B. anti-muslimischer Rassismus), der Herausbildung von Sicherheitsgesellschaft und autoritärer Staatlichkeit zusammen? Anhand der rassistischen Mobilisierung gegen den Moscheebau in Pankow-Heinersdorf lassen sich Probleme und Herausforderungen für eine eingreifende Politik in diese Kräfteverhältnisse vor Ort diskutieren.

In prekären Verhältnissen, die gerade auch linke Zusammenhänge betreffen, stellt sich die Frage nach (Neu)Organisierung, dienicht nur das Aufrechterhalten der eigenen Zusammenhänge sichert. Es geht um den Versuch, neue Kooperationsformen zu entwerfen und Organisierung anders zudenken. Die aktuelle Diskussion um Organizing als gewerkschaftliche Strategie scheint für Linke zu versprechen, die Grenzen der Wirksamkeit über den eigenen Tellerrand zu überwinden. Was bedeutet das für solidarische Kämpfe und eine intervenierende Linke?

Donnerstag, 1. November 2007 , 19 Uhr

Neuer Kapitalismus und anti-muslimischer Rassismus

In Pankow wird eine Moschee gebaut. Ein Bürgerbündnis (Initiative Pankow-Heinersdorfer Bürger, IPAHB) versucht, den Bau zu verhindern: Demonstrationen mit 1500 Bürgern und Nazis, Unterschriftensammlungen. Weit mehr als ein uninteressanter Spießeraufstand. In Pankow zeigt sich eine neue »ideologischeFormation« im Rassismus und beweist ihre Mobilisierungsstärke: der anti-muslimische Rassismus. Ähnliche Auseinandersetzungen um Moscheebauten gibt es in Charlottenburg, Neukölln, Frankfurt oder Köln. Unter dem Namen »ProDeutschland« beginnen sich Moscheegegner überregional zu organisieren.

Gleichzeitig macht sich in der Berliner Linken eine »Kritik des Islamismus« auf der einen und ihre Zurückweisung als Rassismus auf der anderen Seite gegenseitig stumm. Die politische Intervention in einer gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung von zunehmender Bedeutung unterbleibt und lässt die (Berliner) Linke zum passiven Teil einer Konstellation werden, die sie zwar nicht will, aber auch nicht aktiv bekämpft.

Am konkreten Fall Pankow-Heinersdorf wollen wir zwei Fragen aufgreifen, die auf unserer Veranstaltung »Machtvolles Schweigen – antimuslimischer Rassismus und linke Politik« nur gestreift wurden: Wie ist diese neue Konjunktur im Rassismus mit gesellschaftlichen Veränderungen, Terror- und Sicherheitsdiskurs, Prekarisierung und globalen Kräfteverhältnissen vermittelt? Wie könnte eine emanzipatorische Linke in diese Auseinandersetzung intervenieren und zu einer Handlungsfähigkeit gelangen?

Donnerstag, 15. November 2007, 19 Uhr

„Organizing“- Perspektive für gewerkschaftliche Organisierung der Unorganisierbaren?
Interventionsmöglichkeiten und neues Organisierungsfeld für Linksradikale?

In den USA organisieren einige Gewerkschaften MigrantInnen und Prekäre im Niedriglohnbereich mit dem Ansatz des „Organizing“. Auch in Deutschland haben Gewerkschaften in der Krise den Ansatz mittlerweile aufgegriffen. In linksradikalen Diskussionen, die v.a. auf eine autonome Organisation der Prekären setzen, wird dies kontrovers diskutiert.

Gemeinsam mit zwei an den Organizing-Projekten beteiligtenGenossInnen wollen wir diese Diskussion führen – mit der Frage, welche Interventionsmöglichkeiten sich für antikapitalistische Kräfte ergeben und wie diese (anhand bisheriger Ansätze und neuer Ideen) organisiert werden könnten. Außerdem wollen wir die Frage nach intervenierenden Praxen in betriebliche und soziale Kämpfe und das Verhältnis zu den Gewerkschaften darin diskutieren.

17. Januar 2008

»Revolutionäre Realpolitik« und »konkrete Kapitalismuskritik«. Die Aktualität der Organisierungsfrage.

Mit Mario Candeias: Kräfteverhältnisse in der Linken, linksradikale Organisierung und Bündnispolitik.

Warum ein Jour fixe?

Das Anliegen unseres Jour Fixe ist Verständigung. Wir wollen eine Diskussion, in der sich die Beteiligten darum bemühen, die Voraussetzungen ihrer Positionen und die Rahmenbedingungen des eigenen Politik-Machens transparent zu machen. Die Klärung des eigenen politischen Handelns hat das Ziel, unterschiedliche Perspektiven auf ein gemeinsames Problem sichtbar zumachen. Die Form eines Jour Fixe soll ermöglichen, dass sich Diskussionen um praktische Perspektiven entwickeln, die nicht der Dynamik von Bündnistreffen ausgesetzt oder auf die Repräsentation von Gruppen durch einzelne Mitglieder angewiesen sind. In der Sprache der Mobilisierungen zu mehr oder weniger großen Events kann die Frage nach Organisierung oft nicht gestellt werden. Das Konzept eines Jour Fixe, einer kontinuierlichen Diskussions- und Vernetzungsmöglichkeit, kann ein Anfang auf dem Weg zu einer gemeinsamen Praxis sein.

immer im Monarch | 19 Uhr

(Skalitzer Str. 134

U1 + U8 Kottbusser Tor)

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